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Davor Ljubicic | Kunstnacht 06


O.T. (G-B)
Vom 30. September bis 03. Oktober 2006:

Vernissage: 30.09.2006, 20.00 Uhr
Einführung: Dr. Johann-Peter Regelmann
Öffnungszeiten: 01.10. - 03.10.2006 jeweils 19.00 - 21.00 Uhr

"Die Austellung mit dem Titel O.T. (G-B) von Davor Ljubicic zeigt neue Arbeiten des Künstlers aus den Jahren 2004/2005. Meist großformatige und mehrteilige Arbeiten entstehen durch ein spezielles vom Künstler erfundenes Verfahren, in dem die physische Komponente eine wichtige Rolle spielt, genauso wie in anderen Arbeiten des Künstlers, wo Video, Super 8 oder andere Mittel zum Einsatz kommen. Diese Arbeiten auf Büttenpapier mit Graphit, Graphitpulver mit doppelt gekochtem Leinöl und Ölfarbe sind als Einzelteile und Teile einer umfangreichen Serie zu sehen ...".

Zum Werk von Davor Ljubicic: „Gewalt-Bilder"

„Das "G-B" im Titel dieser Ausstellung bedeutet "Gewalt-Bilder". Davor Ljubicic betrachtet dies als einen Titel wie jeden anderen auch - tiefere Bedeutung solle man ihm nicht zusprechen oder hinein interpretieren. Das ist allerdings leicht gesagt, leben wir doch in einer Epoche, die von kontinuierlicher politischer Gewalt bedroht, wenn nicht überlagert ist. Und Gewalt macht Menschen Angst. Diesen Zusammenhang darf man nicht übersehen. Warum also dann doch dieser Titel?
Davor will damit auf etwas aufmerksam machen, was in seinen hier gezeigten Werken zwar nur unterschwellig wirken kann, aber doch präsent ist. Es ist eine Wirkkraft, die sich im Prozess der Bildbetrachtung bemerkbar macht und viele Menschen vom rechten Weg der Wahrnehmung ablenkt; nämlich dem, beim Betrachten das Werk zu vollenden und damit eventuell den Absichten des Künstlers auf die Schliche kommen. Stattdessen wird viel über deprimierende Wirkung, Angstmacherei, Schwarzmalerei, Lebensabgewandtheit als definitiv gemunkelt. Aber der Künstler ist dem Leben sehr stark und positiv zugewandt. Und Leben ist auch und vor allem Physis ...
Jeder Lebensäußerung, also auch der Malerei als kultureller Lebensäußerung, hängt somit auch etwas Physisches an. Der Maler denkt ja seine Bilder nicht aufs Papier. Was bei der Bildhauerei unmittelbar einleuchtet, sollte den anderen bildenden Künsten nicht abgesprochen werden. Alle Kunst wird durch Kopf UND Hand, Geist UND körperlichen Einsatz hervorgebracht. Und diesen physischen Aspekt seiner Kunst, der dann ja auch aus dieser Kunst herausscheint, will Davor einmal betont und gezielt ansprechen. Ein Beispiel:

Wie man sehen kann, sind die hier gezeigten Werke Arbeiten auf Papier. Es handelt sich dabei sowohl um feinstes Bütten als auch um Packpapier. Beides sind keine Materialien, die man über Gebühr belasten sollte. Genau das tut Davor jedoch: allein schon die Farbe seiner Wahl, Graphitpulver gebunden durch doppelt gekochtes Leinöl, stellt eine erhebliche Belastung des Farbträgers dar. Denn das Leinöl ist aggressiv und zersetzt auf lange Sicht das Papier. Dafür tut es allerdings auch etwas wie eigenständig, denn es durchtränkt das Papier erheblich über die eigentlich bemalte Fläche hinaus. Die graphitierten Flächen bekommen dadurch eine Aura, die jedoch den Anschein erweckt, unter Umgehung der Schwerkraft habe die Graphitschicht das Öl aus sich herausgepresst oder wenigstens wie eine unwillkommene Komponente verdrängt. Im Grunde stellt die Aura ein besonderes ästhetisches Phänomen dieser Bilder dar, dies wird aber durch einen Akt der Materialvergewaltigung erkauft"...


© Dr. Johann-Peter Regelmann, Konstanz