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In.Zwischen
Franzis von Stechow trifft Heike Endemann

Vom 19.–27. November 2016 sind in der Kunsthalle im Neuwerk Schwarz-Weiß-Fotografien von Franzis von Stechow und Skulpturen von Heike Endemann zu sehen. Skulptur, die mit Zeit arbeitet. Fotografie, die Zeit bewahrt.
Zeitreisen sind uns nur im technischen Medium möglich. Etwa dann, wenn wir alte Fotografien neu anschauen. Wenn die Konstanzer Fotografin Franzis von Stechow ihr Archiv öffnet, um alte Fotografien anzusehen, neu zu sehen, wiederzuentdecken oder zu verwerfen, dann scheint das Gegenteil der Fall. Künstlerinnen und Künstler aktualisieren ihr Werk ständig, ordnen neu, sortieren aus. Ein künstlerisches Werk soll die Zeit überdauern und wird zu diesem Zweck bewusst zeitlos gehalten, von Anlässen und Zufälligkeiten der Entstehung gereinigt. Das ist Teil seines Geltungsanspruchs. Und doch sind analoge Fotografien, mehr noch vielleicht als Gemälde oder Skulpturen, Zeitdokumente. Ihnen haftet ein unauslöschliches 'So-ist-es-gewesen' an. Dreck unter den Fingernägeln. Das Licht, das sie ins Leben rief, ist nicht mehr, wird nie wieder sein. Apparativ aufgefangenes Licht behauptet eine starke eigene Rolle als handelnder Akteur im fotografischen Prozess. Selbstbewusst tritt es neben die Person, die die Kamera hält. Dieser doppelten Autorschaft begegnet von Stechow mit einer doppelten Bilderreihe: die Reisen nach Spanien, Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Italien, Reisen in Welten, die es so nicht mehr gibt, treten sowohl in alten als auch in neuen Vergrößerungen auf. Sie sind Dokument nicht nur des Gesehenen, sondern des eigenen künstlerischen Schaffens und werden gleichzeitig aktualisiert durch einen neuen Zugriff der Künstlerin auf die vorhandenen Negative.

Die liegenden und hängenden Bilder von Stechows treten in einen Dialog mit Skulpturen der Radolfzeller Künstlerin Heike Endemann. Ihre Skulpturen sind ebenfalls Arbeiten mit der Zeit. Sie bevorzugt frisch gefälltes Holz, das noch sehr stark arbeitet, gegenüber abgelagertem. Ihre Skulpturen arbeiten mit dem Holz, lassen sich von den Formen des Materials leiten oder intervenieren ganz gezielt und bewusst gegen das Angebot des Holzes. Sind von Stechows Arbeiten eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, setzt Endemann auf die Aktivität des Holzes in der Zukunft. Wo es sich verzieht. Wo es reißt. Wo man einem wahrscheinlichen Riss Einhalt gebietet und einen anderen forciert. In ihren Stelen, Kuben und Globen, und manchmal auch durch die Hinzunahme von Materialien wie Papier oder Metall, lotet die Künstlerin die Spannung zwischen Chaos und Ordnung, Geometrie und freier Form, Volumen und Fläche aus. Im Wechsel von Hell und Dunkel, Innen und Außen erkundet sie den aus Linie, Fläche und Raum gebildeten Möglichkeitsraum. Manchmal setzt sie starke Farben ein. Auch diese Farbigkeit tritt in eine Spannung zu dem Schwarz-Weiß der sistierten Lichtspuren auf von Stechows Reisebildern. Bei Heike Endemann wird die Farbe dabei zum integralen Bestandteil der Formwahrnehmung und unterstreicht die Auflösung der Oberfläche durch ihr Changieren von hell zu dunkel, bunt zu unbunt.

Zehn Tage lang haben Ausstellungsbesucher die Möglichkeit, sich auf die verschiedenen Zeitreisen zu begeben.

Franzis von Steckow
Heike Endemann

19. - 27. November 2016
Vernissage Freitag 18. November 2016 · 20 Uhr
Laudatio: Dr. Albert Kümmel-Schnur

Werkgespräch mit den Künstlerinnen Donnerstag 24. November 2016, 19 Uhr
Das Gespräch führt Christoph Bauer, Kunstmuseum Singen

Öffnungszeiten Di-Sa 18-20 Uhr, So 15-18 Uhr

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